Regulierung – die unterschätzte Gefahr

Berlin, 08.03.2016

Regulierung – die unterschätzte Gefahr für Startups und Investoren

Ich habe in verschiedensten Branchen gearbeitet, die einen Bezug zur Regulierung haben: In der Tabakbranche ist es kommunikativ nur noch ein Verteidigungskampf. Alles ist reguliert, von der Ausgestaltung der Verpackung bis hin zu den Vertriebs- und Werbewegen.

Der Fernbusmarkt hingegen wurde erst durch Deregulierung ermöglicht. Das Gesetz hat es lange Zeit unmöglich gemacht, Fernbusse in Deutschland zu betreiben. Was nach 2013 entstanden ist, ist ein komplett neuer Markt mit einem Produkt für gänzlich neue Zielgruppen. Der Markt wurde bereichert und durch Wettbewerb sind auch Verbesserungen bei bestehenden Angeboten entstanden, wie z.B. bei der Deutschen Bahn.

Die Erfahrung, die ich dabei gemacht habe: Deregulierung und insbesondere Wettbewerb befördern Innovation und sind zum Vorteil der Kunden. Aber Regulierung ist auch eine Waffe gegen unliebsame Konkurrenz.

Regulierung – Märkte schaffen, Wettbewerb fernhalten?

Regulierung kann also durchaus, je nach Blickwinkel, eine andere Seite haben. Bestehende Marktakteure können diese nutzen, um unliebsame Konkurrenz loszuwerden oder neue Marktteilnehmer zu verhindern. Regulierung stellt eine Barriere dar, die es neuen Unternehmen schwermacht, in dem sie z.B. hohe Kosten bei der Einführung des Produktes oder bei der Genehmigung der Dienstleistung verursacht. Ist ein Produkt erst einmal am Markt, können etablierte Unternehmen, aber auch die Politik, versuchen, neue Regeln für den Markt aufzustellen.

Am Beispiel des Fernbusses wären dies z.B. die Maut, eine Verschärfung der Fahrgastrechte, z.B. die Angleichung an die Regeln zur Entschädigung der Bahn sowie Lohn- und Sozialvorschriften beim Fahrpersonal. Damit könnte der Wettbewerb zugunsten der Bahn gedreht werden bzw. der Fernbusmarkt im Zaum gehalten werden.

Old Economy vs. New Economy?

Jüngst gab es eine Auseinandersetzung zwischen einem etablierten Versicherungsmakler bzw. Anbieter und einem neuen innovativen Unternehmen, das den Markt mittels App aufrollen möchte.

Was als kleine Auseinandersetzung begann, kann zu Problemen für die innovativen Versicherungsvermittler werden. Geschickt eingeleitet, spricht der „Dinosaurier“ über fehlende Transparenz und Aufklärung. Auch schwang in der Diskussion eine gewisse „Unsicherheit“ beim Datenschutz mit. Alles Argumente, die die Neuen entkräften können bzw. erst einmal die Kunden nicht weiter verunsichern – es ist einfach eine andere Zielgruppe.

Der eigentliche Adressat der Botschaft ist aber nicht der Kunde, sondern der Regulierer. Verbraucherschutz hat in der Legislaturperiode unter der SPD einen neuen Aufschwung bekommen und neigt dazu, den Verbraucher unmündiger einzuschätzen als zuvor – mit Konsequenzen für diverse Branchen. Alle Argumente der Gegenseite klingen aus Sicht des Verbraucherschutzes schlüssig – ein Grund mehr genau zu verfolgen wie die öffentliche und verdeckte Kommunikation läuft.

Startups dürfen sich nicht die Hoheit über ihr Businessmodell nehmen lassen, sondern müssen viel mehr über sich kommunizieren. Politik und Verwaltung sind auf Daten angewiesen, auf Probleme, die auftreten, auf Lösungen, die man bietet. Lasst nicht andere über Euch reden, sondern redet selbst. Deshalb ist ein gewisses Regulatory Risk Management bei Startups aber auch Investoren von Nöten. Businessmodelle können gefährdet, später realisierbar oder mit höheren Kosten verbunden sein. Im Wachstumsrausch werden wenig Zwischentöne gehört: Aber hört lieber genau hin!

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